Das Ende des billigen Baugeldes

Das Ende des billigen Baugeldes

Die langjährige Phase des billigen Baugeldes geht zu Ende

Die Zeiten des billigen Baugeldes scheinen vorbei, denn es zeichnet sich eine Trendwende am Immobilienmarkt ab. Immobilienkredite und Hypothekenzinsen steigen stetig an, Kaufinteressenten und Kreditnehmer können jedoch Maßnahmen ergreifen, um die Folgen etwas abzumildern. Die Talsohle des billigen Baugeldes scheint jedoch durchschritten zu sein und Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Trend nicht so schnell wieder umkehren lässt. Es ist also auch in der Zukunft damit zu rechnen, dass Baugeld noch teurer werden wird. In den vergangenen Jahren konnten Eigenheime beinahe zum Nulltarif finanziert werden, ganz zur Freude der Bauherren. Beobachter, welche die Kreditzinsen schon seit Jahren und Jahrzehnten im Blick haben, können feststellen, dass für einen Immobilienkredit mit beispielsweise 10 Jahren Laufzeit die Zinsen immerhin bis zu 1,5 % betragen können. Anfang des Jahres 2021 wurde mit etwa 0,7 % ein Allzeittief erreicht, welches sich also innerhalb einer nur kurzen Zeitspanne nahezu verdoppelt. Interessenten an einem Baukredit sollten diese Entwicklungen stets im Auge behalten.

Internationale Kapitalmärkte und Inflationsrisiken treiben Zinsen nach oben

Denn mit neuen Niedrigständen kann, zumindest auf absehbare Zeit, nicht mehr gerechnet werden. Dieser Trend hat natürlich auch Einfluss auf die Immobilienvermarktung, denn parallel zu den Kosten für das Baugeld haben auch die Immobilienpreise kräftig angezogen. Für Häuslebauer ist die Zinsbelastung ein sehr wichtiger Kostenfaktor im Hinblick auf die Gesamtfinanzierung und die Laufzeit eines Baukredites. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für Neufinanzierungen, sondern auch für auslaufende Finanzierungen einer Immobilie. Muss nach Auslaufen der Finanzierung neu verhandelt werden, so ist damit zu rechnen, dass die monatliche Belastung verhältnismäßig stark ansteigen wird. Ein simples Rechenbeispiel macht dies deutlich. Beträgt die Kreditsumme beispielsweise 300.000 €, der Hypothekenzins 0,7 Prozent und die jährliche Tilgungsrate 3 %, so ist die Höhe der monatlichen Kreditrate 925 €. Bei einer Anschlussfinanzierung mit einer gestiegenen Zinsbelastung von 1,4 % steigt diese monatliche Rate auf 1100 €, was immerhin einem jährlichen Zuwachs von beinahe 20 % entspricht. Für die erforderliche Abzahlung eines Baudarlehens müssen nun über das Jahr gerechnet 2100 € mehr aufgebracht werden. Es stellt sich nun die Frage, warum das Ende des billigen Baugeldes nun erreicht wurde. Der Hauptgrund liegt darin, dass an den internationalen Kapitalmärkten die Niedrigzinsphase beendet ist. Neben dem Auslaufen dieser langjährigen Phase sind es aber auch die Preisauftriebe in Europa und in den Vereinigten Staaten, welche das Zinsniveau für Baukredite wieder ansteigen ließen. Damit die Inflationsrisiken in der Europäischen Union eingedämmt werden können, wird auch die Europäische Zentralbank nicht drum herum kommen, das Zinsniveau spürbar anheben zu müssen.

Trotz gestiegener Zinsen sollten sich Bauherren nicht von ihrem Vorhaben abhalten lassen

Die Kreditkosten für Banken steigen und diese Entwicklung wird dann direkt an die Verbraucher, auch in Form höherer Zinsen für Immobilienkredite, weitergegeben. Immobilienkäufer und Bauherren sehen sich durch diese Entwicklungen immer höheren Kosten ausgesetzt, diese Teuerungsraten sind insbesondere in den Ballungsräumen stark spürbar. Auch Immobilienmakler sind sich einig darüber, dass dieser steigende Zinstrend erst einmal anhalten wird. Ob die Bauzinsen überhaupt wieder ein historisches Tiefmaß erreichen, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Um sich die derzeit noch niedrigen Zinsen über einen längeren Zeitraum sichern zu können, raten Immobilienmakler zu einem sogenannten Forward Darlehen. Bei dieser Immobilienfinanzierung können sich Käufer gegen einen nur vergleichsweise geringen Aufschlag Niedrigzinsen immerhin über einen Zeitraum von bis zu 4 Jahren sichern. Es gilt bei der Inanspruchnahme von Baugeld Zinskosten zu vermeiden oder wenigstens sinnvoll zu optimieren. Bei längeren Zinsbindungen gibt es zwar ein Plus an Sicherheit, dann allerdings auch einen etwas höheren Zins. Es lohnt sich, Baukredite mit niedrigen Zinssätzen möglichst zügig zurückzuzahlen. Denn bei der Anschlussfinanzierung ist der Restkredit bereits deutlich geschrumpft, was sich dann selbst bei höheren Zinsen deutlich in Form einer niedrigeren Tilgungsrate niederschlägt. Um in der Zukunft höhere Zinsbelastungen zu minimieren, sind häufig auch sogenannte Sondertilgungen während der Vertragslaufzeit hilfreich.